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Ranke und Winde

J.B. Metzler eBooks, pp. 39–50

Abstract

Ranken und Winden faszinieren seit jeher Wissenschaft und Kunst. Besonders ihr Vermögen, sich ihre stützenden Gegenstände ‚selbst‘ zu wählen und dabei eigenartige Spiralformen auszubilden, bietet Stoff für Spekulationen: „[D]a man diese Bewegungen noch nicht kannte, [musste es] als ein von den übrigen Erscheinungen des Pflanzenlebens gänzlich verschiedenes Phaenomen erscheinen, es mußte Veranlassung geben zu der Annahme, daß diesen Pflanzen ganz eigenthümliche Kräfte zukommen“ (Mohl 1827, 140). Die eigenständige Bewegung der Pflanze ähnelt der des Menschen, erscheint aber zugleich fremdartig und geheimnisvoll, was sie geradezu zum Paradebeispiel des ‚Unheimlichen‘ stilisiert und zum Gegenstand allerlei Geschichten werden lässt. Bereits in antiken Pflanzenstudien findet man Einträge zu Ranken und ihren Fähigkeiten, Bäume zu ‚umarmen‘, aber auch zu ‚töten‘. Geht man davon aus, dass diese Bewegungen willentlich geschehen, scheinen sich Pflanzen nicht mehr allzu sehr von Menschen und Tieren zu unterscheiden und es entwickeln sich Fragen bzgl. der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Spezies, die Konzepte wie eine anima vegetativa (‚Pflanzenseele‘; s. Kap. II.10), einen eigenen Willen oder ein eigenes Gefühlsleben der Pflanze betreffen und bis hin zur jüngst geführten Diskussion um die Würde der Pflanzen reichen (vgl. Bericht der Eidgenössischen Ethikkomission 2008).

Authors 1

  1. Sarah Maria Theresa Goeth corresponding Aachen

    RWTH Aachen University

    Affiliation as printed

    RWTH Aachen University, Aachen, Deutschland

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